#Corona - Wenn Verkäuferinnen weinen

Ihr Lieben, Ich muss zugeben, ich habe mich hier noch nicht zur aktuellen Lage geäußert, weil es mir sehr schwer fällt, das alles zu fassen. Die Fakten, aber ganz besonders der Umgang der Menschen damit:  Da sehe ich die mit der ganz großen Angst, die schon vor Wochen die Desinfektionsmittel und Atemmasken aufgekauft haben, fern ab, ob es vielleicht Menschen gibt, die prinzipiell auf solche Dinge angewiesen sind. Ich sehe die mit der ganz großen Profitgier, die Desinfektionsmittel und Atemmasken aufgekauft haben, um mit der Not der anderen das große Geschäft zu machen.

Ich sehe die, die sich solidarisch zeigen und alten Menschen und Menschen aus Risikogruppen in öffentlichen Aushängen ihre Hilfe anbieten. Ich sehe die, die nur die eigenen Einschränkungen sehen und danach fragen, ob man nicht einfach nur die Risikogruppen "wegsperren" könnte.

Ich sehe, die, deren Existenz von heute auf morgen wegbricht und die trotz allem ihre Hilfe anbieten. Ich sehe die, die nur die eigene Branche sehen, wobei in so vielen anderen Branchen Existenzen wegbrechen. Ich sehe die, die sich an ihrem Gewinn aus der Krise freuen oder gar damit prahlen. Ich sehe die, die sich lustig machen und alles herunterspielen. Ich sehe die, die sich ausschließlich über die positive Entwicklung für die Erde freuen.

Ich sehe die, die VerkäuferInnen zum Weinen bringen, weil sie so freundlich und anteilnehmend sind. Ich sehe die, die VerkäuferInnen zum Weinen bringen, weil sie persönlich werden und schon fast handgreiflich. Ich sehe die, die sich zu Hause einsperren, weil sie Angehörige oder andere Menschen schützen wollen. Ich sehe die, die sich in großen Gruppen treffen oder heimlich Partys veranstalten.

Ich sehe die, die in den Supermärkten, Apotheken, Gesundheitseinrichtungen, Kliniken u.v.m. Höchstleistungen vollbringen müssen fern ab, ob sie Angst haben oder nicht, vielleicht auch fern ab, ob sie zu Hause Risikopatienten sitzen haben oder nicht.

Ich sehe die, die in Quarantäne sitzen, weil jemand mit Schnupfnase unbedingt noch auf eine Party gehen musste. Ich sehe die Mutter, die in Quarantäne auf ihren Test wartet. Ich sehe daneben ihre mehrfach schwer behinderte Tochter, die in die Hochrisikogruppe fällt. Ich sehe die Ärzte, das Gesundheitsamt wie sie mit den Schultern dazu zucken.

Ich sehe die, die sich freuen endlich mehr Zeit für sich und die Kinder zu haben. Ich sehe die, die genervt sind, dass sie plötzlich so viel Zeit für sich und die Kinder haben. Ich sehe die, die sagen, dass es uns als Gesellschaft gut tut mal auszusteigen, zu entschleunigen mit der Hoffnung auf einen besseren Menschen. Ich sehe die, die dahinter nur eine große Verschwörung von denen da oben riechen.

Ich sehe die, die das Sterben der Alten als natürliche Auslese verstehen (außer es trifft die eigene Mutter). Ich sehe die, die jedes einzelne Leid mitfühlen, wenn jemand seine Lieben verliert oder vielleicht alte Menschen allein in ihren Wohnungen sitzen müssen ohne den Besuch ihrer Enkel. Ich sehe diese alten Menschen, die einsam in ihren Wohnungen sitzen ohne den Besuch ihrer Enkel. Ich sehe die, die, sich vielleicht in dieser Einsamkeit das Leben nehmen werden. Ich sehe die, die genau dieses Leben vielleicht mit Zuspruch und Liebe retten werden.

Ich sehe die, die pflegebedürftige Kinder und Erwachsene zu Hause haben, die ohne bestimmte Medikamente sterben würden und in der Apotheke gesagt bekommen, dass das Medikament vorerst nicht mehr lieferbar ist. Ich sehe die, die Hamstern: Essen, Medikamente, alles was geht. Ich sehe die, die dann Mithamstern, weil Hamstern ansteckt wie Angst. Ich sehe die, die sich wegen Klopapier und Mehl fast schlagen. Ich sehe die, die sagen: Entspannt Euch doch mal!

Ich sehe die, die in eine Angststörung fallen, gern helfen würden, aber nicht können. Ich sehe die, die helfen könnten, es aber nicht tun. Und dann, dann seh ich wieder die, die solidarisch bleiben, die soldarisch bleiben, die solidarisch bleiben, die solidarisch bleiben, die solidarisch bleiben...

Kurzum: Ich bin völlig überfordert mit all den Eindrücken und weiß es gibt noch viel mehr Menschen da draußen mit ihren Geschichten, Einstellungen, mit ihrer Liebe und mit ihrem Leid. So viele verschiedene Menschen für die diese Krise so verschiedene Konsequenzen hat. Und genau das macht mich sprachlos.

Ich kann zu dieser Krise keine klare Meinung finden, genauso wenig wie zum Menschen selbst. Aber was ich mir von uns allen wünsche:

Verliert nicht den Blick für die anderen Menschen und ihre Geschichten!
Egal aus welchen Gründen!

Was für Euch gut scheint, kann für den anderen mit viel Leid verbunden sein! Menschlicher Zusammenhalt und Solidarität sind am Ende das, was uns gemeinsam auch diese Krise überstehen lässt.

In diesem Sinne passt gut auf Euch auf und auch auf die anderen,

seid von Herzen gegrüßt, Eure Nadine

Foto: Stefan Schacher

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